Zitate zum Sonntag XXI
“Rund 100 000 weitere Weblogs sind bestenfalls öffentlich einsehbare und dennoch private geführte Tagebücher, denen jede gesellschaftliche Relevanz fehlt.”, schreibt die SZ in Ihrer Wochenendausgabe. Und ich weiß nicht, ob es mich mehr nervt oder mehr langweilt. “Jede gesellschaftliche Relevanz”, was ist das eigentlich. Unser Blog bereichert also die Gesellschaft nicht. Ab wann tut er das denn? Geht das nach Leserzahl? Geht das nach Verlinkung? Wie oft man zitiert wird? Lieber Johannes Boie, erkläre mir das einmal! Ich beispielsweise habe es mir nicht zum Ziel gesetzt eine “Alternative zu den etablierten Medien” zu werden. Gut das mag daran liegen, das wir ja auch gar nicht relevant erscheinen. In Deutschland gibt es kein “Bedürfnis nach alternativen Informationsmöglichkeiten”. Aber auch da der Hinweis. Wir wollen hier auch nicht informieren. Ich stelle mich hier nicht hin und will die Welt retten. Ich schreibe einfach nur ein bisschen. Zur Übung, zum Spaß und einfach nur so. Geht anscheinend nicht in alle Köpfe. Zumindest nicht in Johannes Boies… Wenn es dann einer liest, ja bitte, dann freue ich mich. Aber ich bin auch nicht traurig, wenn das mal unbedeutend bleibt, was ich äußere. Weiter meint Herr Boie, und dann fänden Blogs auch keine Leser, weil sie sich im Clinch mit anderen Blogs befänden. Nur mal eine Frage: Wo bleibt die Argumentation? Falls es so ist, was ist schlimm daran. Macht es die Sache dann nicht sogar interessanter zu lesen? Bringt nicht gerade das Schwung in die so abschätzig erwähnte “Blogosphäre”? Mal ganz abgesehen davon, dass ich nicht glaube, dass das überhaupt so ist. Ich frage die erwähnten Blogschreiber mal, mit wem sie so im Clinch liegen, dann schauen wir einmal. Na, erwähnt wurde auch nur Spreeblick. Mehr nicht. Dass ist für Johannes Boie dann aber “Selbstzerfleischung”. Ach so. Wir liegen noch mit niemandem im Clinch. Herzlichen Glückwunsch uns selbst! Vielleicht macht uns das ja wieder gesellschaftlich relevant. Na, wir haben eine Chance. Als Hilfe für diesen netten Text dient übrigens der Kommunikationswissenschaftler Jan Schmidt.
Der meint aber, dass er das nicht so meint. Das hab ich auch auf meinem Nachttisch liegen und gleich mal nachgeschaut. Im Text “Öffentlichkeit im Web 2.0. Entstehung und Strukturprinzipien” heißt es: “Die meißten Blogger, Podcaster oder “YouTube”-Nutzer wenden sich eben nicht an eine generelle Öffentlichkeit, sondern wollen Gedanken, Informationen und Meinungen mit anderen teilen. ,Öffentlich’ heißt im neuen Internet nicht mehr zwangsläufig ,gesellschaftsweit relevant’, sondern oft einfach nur: ,für alle zugänglich, die es interessiert’.” Ja und so ist das dann wohl auch bei uns der Fall. Ich denke der Artikel von Johannes Boie bekommt nicht nur positive Zuschriften. Kommentare gibt es jedenfalls keine Guten. Und debattiert wird auch. Stefan Niggemeier fragt dann auch gleich mal den Herrn Boie, was das denn solle. Aber der ist gerade unterwegs. Wir warten also auf Antwort.
Solange erfreuen wir uns ander Erkenntnis, dass die DDR ganz schön unmenschlich war, weil es Befehle zum Erschießen von Flüchtlingen gab. Das mit den Befehlen finde ich auch ganz schön blöd. Vorher war es ja OK, weil die das einfach so gemacht haben. Aber nun haben die auch noch Befehle gehabt. Wie fies! (Vor allem, weil die Befehle auch schon längst bekannt waren. Aber 1997 war es jetzt noch nicht “so” menschenverachtend.) bpb schreibt: “Insgesamt kamen über eintausend Menschen ums Leben bei dem Versuch, die DDR “illegal” für immer zu verlassen. Ja, Mensch aber der Befehl, der Befehl… Ich mein… Also die haben das ja sogar mit Absicht gemacht. Wie fies.
Die Erkenntnis des Menschenrechtsbeauftragten der Bundesregierung, Günter Nooke ist folgende: Die DDR sei wirklich von Leuten regiert worden, die angewiesen hätten, auf Frauen und Kinder zu schießen. Dafür sollte er mal einen Preis bekommen finde ich. Das hätte ich so nicht auf den Punkt bringen können! War schließlich selbst bei der NVA, der Mann.
Gesellschaft gute Nacht, was ist schon Relevanz…
[flo]
Nachtrag: Bei meinem netten derzeitigen Arbeitskollegen steht auch was drüber.
14. August 2007 um 18:08
Vielleicht ärgert sich genannter Herr Boie ja auch einfach darüber, dass mehr Leute gesellschaftlich irrelevante Blogs lesen als seine achtspaltigen Feuilletonriemen, die dafür aber vor Bedeutung nur so strotzen? Oder darüber, dass er sich jahrzehntelang im Lokaljournalismus krum und buckelig geschuftet hat, um jetzt in einem Moment endlich im SZ-Feuilleton schreiben zu dürfen, in dem die verkauften Auflagen so niedrig sind wie nie zuvor? Honni soit, qui mal y pense! Also schön ruhig Blut und tapfer weiterbloggen!
P.S. Die DDR war nicht so gut…
15. August 2007 um 09:21
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