Archiv für die Kategorie ‘Waschzettel’

Waschzettel III

Dienstag, 07. Juli 2009
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Grade, parallel angeordnet finden sich gleichartige Buchrücken möglichst nah beieinander. Eingeengt warten sie auf einen Leser, einen verständigen Mitwisser; und wird eines aus der Schlange heraus genommen, der leichte Staub an der Oberkante abgepustet und mit gutem Vorsatz aufgeschlagen, verbleibt es nicht lange in meinen Händen, verpufft sein Inhalt im Kampf mit dem Schlaf.
Viele Male bleibt es beim leisen Versuchen, beim Fehlschlag, fast noch in der Vorbereitung. Rücktritt brüllt durch die Luft und gerade so, knapp am Wissen vorbei lässt sich der Sinn des Tages ertränken, in Sonnenschein und leeren Worten.
Was bleibt ist ein schlechtes Gewissen. Um der Zukunft Willen hab ich Euch gekauft.
Doch die Motivation, sie schläft nun inmitten Eurer nützlichen Zeilen.

Als Sinnbild menschlichen Konfliktpotentials verkörpert ihr das echte Leben, die Kraft des Regulierers, geschöpft aus tausend Stimmen. Aber was ich meistens verschlang, das war der Dank, der glückliche Hinweis des Fertig – Seins, der Text vor dem Text. Das Manifest endgültiger Freiheit, zumindest bis zur nächsten Auflage.

Paul Pfeiffer

Waschzettel II

Montag, 08. Juni 2009

 

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(für einen größeren Eindruck, bitte auf das Bild klicken…)

Wenn ich mein Bücherregal betrachte, frage ich mich immer, wer die ganze Scheiße lesen soll. Und falls ich es sein sollte, frage ich mich, wann ich das bloß tun soll. Manchmal bin ich dann verzweifelt und denke, dass man nie genug Zeit zum lesen hat und wahrscheinlich auch nie haben wird, und wenn es nur aus dem Grund ist, dass man zu dumm ist, sich die Zeit einfach zu nehmen.

Ich werde deshalb über ein Buch schreiben, dass ich noch nicht gelesen habe und vielleicht auch nie lesen werde, auf dessen Lektüre ich mich aber freue. In meinem Regal steht es unten rechts.

Das Buch Sternstunden der Bedeutungslosigkeit von Rocko Schamoni hätte ich vielleicht nie gekauft, hätte ich nicht damals in Stockholm eine SMS mit drei Absätzen aus diesem Buch erhalten, während ich gerade dabei war, mich in der neuen Stadt einzuleben:

„Seine ganze Person ist komplett undurchschaubar, wie ein wabernder Nebel aus Informationen und Möglichkeiten. Das meiste von dem, was er anfängt, gelingt ihm nicht, was ihn aber nicht davon abhält, immer und immer wieder mit bester Laune und großem Zutrauen neue Projekte zu starten. Die Idee von Misserfolg ist ihm unvertraut, er blendet sie ganz einfach aus. Kalle ist so
unseriös, dass selbst das Leben keine Chance hat und an ihm abgleitet, ihn aus den Fingern verliert, weil er nicht zu packen ist. Jeden anderen zerschreddert das Leben, erwischt ihn und zermalmt ihn, aber wenn das Leben einen Termin mit Kalle hat, wartet es vergebens.“

Daraufhin habe ich mir das Buch schicken lassen. Ich wollte mehr über diesen ominösen Kalle erfahren, der mir in den paar Sätzen, die mir fern ab von zu Hause auf mein Handy geschickt wurden, direkt sympathisch war. Das habe ich bis heute nicht getan.

Sternstunden der Bedeutungslosigkeit ist, auch oder gerade weil ich es noch nicht gelesen habe, eines meiner Lieblingsbücher.

Kalle Kalbhenn

 

Waschzettel I

Mittwoch, 20. Mai 2009

In Anlehnung an die Rubrik “Zeig mir Dein Bücherregal und ich…” des Berliner Popkulturmagazins BLANK, in welcher einfach ein Bücherregal abgelichtet wird,  soll es hier etwas ähnliches geben, weil das eine wirklich schöne und simple Idee ist.

Bei uns soll diese Rubrik “Waschzettel” heißen. Ein Waschzettel wird vom Verleger oft einem Rezensionsexemplar beigelegt und enthält ganz kurz eine Darstellung von Inhalt und Bedeutung des Buches. In unserer Rubrik soll zu dem Photo des Bücherregals nämlich ein Text desjenigen folgen, dem das Buchregal gehört. Der Text dreht sich um ein ganz besonderes Buch innerhalb des Photos. Er dreht sich um die Frage, warum hat dieses Buch eine große Bedeutung im Leben des Regalbesitzers.

Mein Bücherregal soll dafür als Besipiel dienen und wer Lust hat, der kann sein Photo und seinen Text gerne an uns senden. Wir veröffentlichen das dann hier.

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Da in meinem Zimmer regelmäßig die Regale von der Wand fallen, stehen alle Bücher nur irgendwo rum. Nicht gerade ein Paradebeispiel für ein Bücherregal. Aber doch, ein kleiner Ausschnitt von ein paar Büchern gelingt mir. Genau in der Mitte dieses Ausschnittes befindet sich ein kleines Band über Lee Miller.
Lee Miller war eine Photographin aus den USA. Sie war zeitweise mit Man Ray liiert und wird oft als “weiblicher Robert Capa” bezeichnet. Nach dem zweiten Weltkrieg photographierte sie das zerstörte Deutschland und machte einige eindrucksvolle Bilder. Danach blieb sie in England, schwer depressiv nach den Ereignissen ihrer Kriegsreisen. Dort wurde ich einmal persönlich von ihrem Sohn, Antony Penrose durch das Familienhaus geführt. Ein Haus in welchem Menschen wie Joan Miró oder Pablo Picasso ein- und ausgingen, was man auch an der Gestaltung des Hauses und der Vielzahl von surrealistischen Bildern und Elementen darin erkannte. Antony zeigte mir ebenso die Negative der Photos zusammen mit Picasso und die Photos aus Deutschland. Lee Miller hatte ihrem Sohn nie wirklich gesagt, was sie früher machte. Irgendwann fand er durch Zufall  ihre Arbeiten. Etwa 40.000 Photos. Dieses Buch erinnert mich jedes Mal, wenn ich es sehe, an diesen beeindruckenden Tag.

[flo]